Articles | Volume 94
https://doi.org/10.5194/polf-94-1-2026
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Report for the polar community
 | 
06 Jan 2026
Report for the polar community |  | 06 Jan 2026

Buchrezension: Cold words: a polar dictionary

Cornelia Lüdecke
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Hince, B.: Cold Words: A Polar Dictionary, Melbourne, Australia, CSIRO Publishing, 455 pp, ISBN 978-1836991519, Hardcover: EUR 116,84, Kindle: EUR 86,14, 2025.

Wer jemals eine Erklärung für englische Worte aus dem polaren Sprachgebrauch gesucht hat, kann nun endgültig fündig werden. Die australische Naturforscherin und Herstellerin von Wörterbüchern Bernadette Hinze hat nach einer über 30 jährigen Sammlungstätigkeit ein umfassendes Werk über „cold words“ herausgebracht. Sie bezeichnet es als historisches Wörterbuch, da sie jeden Eintrag mit mehreren Belegstellen aus verschiedenen Jahrhunderten erläutert, die vom 17. bis zum 21. Jahrhundert reichen können. Die Worte werden zunächst erklärt und dann ihre Verwendung in verschiedenen Publikationen chronologisch aufgeführt. Ein Beispiel sei der Begriff „fixed ice“, definiert als „fused and apparently unmoving ice“ (Hinze, 2025:149). 1694 wurde der Begriff von Sir John Narborough in seinem „Account of several late voyages“ folgendermaßen verwendet: „Above the Ice the Air appears white, from whence we know where the firm or fixed Ice lies.“ Und 2017 konnte man im „Arctic Sea Ice forum“ lesen: „As soon as the plateau breaks out of Antarctica, the sea level rises … If all the „fixed ice“ breaks, an increase of about four meters is expected.“ Zudem wird zur Auflockerung des Wörterbuches jeder neue Buchstabe mit einem prägnanten Bild eingeleitet, das einen Begriff aus den jeweiligen Einträgen dieses Buchstabens darstellt.

Hinces Buch geht es aber nicht nur um Begriffe, die Eis auf Seen, Gletscher oder Meereis beschreiben, sondern auch um geographische Begriffe wie die Insel Tristan da Cunha, optische Phänomene wie „mock sun“ (Nebensonne) oder „fogbow“ (Nebelbogen), die in Polargebieten so faszinierend sind. Das „ozone hole“ wurde ebenso aufgenommen. Man findet aber auch Namen von Pflanzen und Tieren wie Fische, Säugetiere, Vögel oder Insekten, die in der Arktis und der Antarktis einschließlich der subarktischen und subantarktischen Inseln vorkommen, seien es „Arctic rapsberry“, „Falkland sea lion“ oder „Kerguelen tea“. Auch Personen, Ausrüstung und Tätigkeiten z. B. rund um das Kajak (erstmals 1576 erwähnt) werden in acht Begriffen ausführlich beschrieben. Das Wörterbuch widmet sich auch verschiedenen Lebensmitteln. In der Antarktis ist beispielsweise ein „sledgie“ ein harter Dauerkeks für Schlittenreisen und „hoosh“ ein Eintopf auf der Basis von Pemmican.

Der „Antarctic Treaty“ darf natürlich nicht fehlen, aber den Eintrag „International Polar Year“ findet man nicht, obwohl schon vier Polarjahre mit international koordinierten Messungen durchgeführt wurden. Weitere Beispiele sind die sehr lokal verwendeten Begriffe wie in der Antarktis „Maudheimer“: Bewohner der Basisstation Maudheim in der Antarktis, „polarnik: Teilnehmer einer russischen Expedition in die Antarktis, „housemouse“: meist weibliche Person, die für das Putzen der amerikanischen oder neuseeländischen Antarktisstationen zuständig ist, „dieso“: australischer Begriff für Dieselmechaniker, oder in der Arktis „Dew liner“: Personen, die während des Kalten Krieges in der Arktis beim Aufbau und dem Unterhalt der Distant Early Warning line tätig waren, um vor russischen Luftangriffen zu warnen. Auch mineralogische Begriffe wurden mit aufgenommen, so erläutert der erste Eintrag unter „H“ das Fluoridmineral“ hagemannite.

Außerdem werden spezielle Bezeichnungen aufgeführt: „penguinopolis“ (Pinguinkolonie) oder „diomedeicice“ (Tötung eines Diomedea Albatrosses). Auch „Franklinesque“ gibt es, welches episches und tragisches Scheitern darstellt, oder „Shackletonia“ für Orte oder Gruppen, die mit Shackleton in Verbindung stehen, bzw. Erinnerungsstücke an Shackleton.

Davon abgesehen, ist das 455 Seiten dicke Lexikon ein wunderbares Buch zum Schmökern. Kaum hat man eine neue Seite aufgeschlagen, bleibt man schon an einem interessanten Eintrag hängen. Wer sich für die englischsprachige Polarwelt mit allen ihren Schattierungen interessiert, dem sei diese wortreiche Zusammenstellung sehr empfohlen. Es macht wirklich Spaß, darin zu blättern und zu stöbern.

Begutachtung

Dieser Artikel wurde von Bernhard Diekmann redaktionell betreut und durch Lena Nicola in einem double-blind Review-Verfahren begutachtet.

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Short summary
Review of the book by Bernadette Hince "Cold Words - A Polar Dictionary".
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